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Rheumatologie

Rheuma (griechisch: Fluß, Strömung) bezeichnet ursprünglich in der antiken Säftelehre den Fluß des kalten Schleims aus dem Gehirn in die verschiedenen Körperregionen; eine fehlerhafte Zusammensetzung oder ein Stocken des Flusses führten nach diesen Vorstellungen zur Krankheit Rheuma mit Manifestationen in Gelenken, Augen, Ohren etc. Die Auffassung eines ätiopathogenetisch einheitlichen Geschehens lebt im Rheumabegriff vieler Laien und Patienten fort, gleichzeitig ist eine symptomatologische Ausgestaltung hinzugetreten: fließende, reißende und ziehende Schmerzen am Bewegungsapparat mit mehr oder weniger dauerhafter Bewegungsbehinderung. Im Erstgespräch mit dem Patienten werden deshalb zunächst die Begriffe Rheuma, Rheumatismus und rheumatisch so angenommen werden müssen, wie sie vom Kranken verwendet werden.

Die Bezeichnungen "Rheuma" und "Rheumatismus" sind im klinischen Bereich als nosologisch und ätiologisch nicht klar definierte Sammelbegriffe abzulehnen, da sie eine in Wirklichkeit nicht gegebene Krankheitseinheit bzw. ursächliche Gemeinsamkeit implizieren.

Rheumatische Erkrankungen

Bei der heutigen differenzierten Untergliederung in eine Vielzahl verschiedener rheumatischer Erkrankungen lebt die Bezeichnung "rheumatisch" fort im Zusammenhang mit Krankheiten ganz unterschiedlicher Ätiologie (entzündlich, infektiös, degenerativ, metabolisch), Lokalisation (z. B. Gelenke, Sehnen, Bursae, Muskulatur, Wirbelsäule) und Symptomatologie.

Beschwerden und rheumatische Manifestationen

Ableitungen des Begriffs "rheumatisch" finden sich auch noch in einigen Krankheitsbezeichnungen, wie z. B. rheumatoide Arthritis, rheumatisches Fieber, Polymyalgia rheumatica und palindromischer Rheumatismus. Die Bezeichnung "rheumatische Beschwerden" zur Beschreibung von Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparates kann ebensowenig akzeptiert werden wie die Bezeichnung "rheumatische Manifestation" bei Mitbeteiligung, Folgeerscheinung und Begleitmanifestation am Bewegungsapparat bei primär inneren, neurologischen oder anderen Erkrankungen, so auch Begriffe wie rheumatische Genese, rheumatischer Herd, rheumatische Läsion, da ihnen keine wissenschaftlich bzw. nosologisch begründeten Gemeinsamkeiten zugrunde liegen.

Rheumatologie

Die Rheumatologie beschäftigt sich mit der Diagnostik, Behandlung, Lehre und Erforschung der rheumatischen Erkrankungen. Neben der allgemeinärztlichen Primärversorgung müssen rheumatologisch besonders erfahrene Ärzte zur Verfügung stehen. In vielen Ländern gibt es einen Facharzt für Rheumatologie, in der Bundesrepublik wurde das Teilgebiet Rheumatologie zum Facharzt für Innere Medizin und Orthopädie eingeführt. Im Einzelfall müssen Patienten gleichzeitig oder nacheinander vom Allgemeinarzt, Internisten, Orthopäden, Chirurgen, Neurologen, Augenarzt, Dermatologen, Arzt für physikalische Therapie u. a. betreut werden.

Die Rheumatologie als wissenschaftliches Fachgebiet und Forschungsrichtung ist interdisziplinär. Sie schließt naturwissenschaftlich-medizinische Fächer und viele Gebiete der psychosozialen, psychosomatischen und sozial-medizinischen Forschung ein: klassische biomedizinische Forschungsrichtungen (Pathologie, Physiologie und Biochemie) tragen zusammen mit Biomechanik, Immunologie, Genetik und Immungenetik, Bakteriologie und Virologie zur Aufklärung der Ätiopathogenese rheumatischer Erkrankungen bei; wegen der Chronizität und psychosozialen Auswirkungen vieler rheumatischer Erkrankungen sind auch Epidemiologie, Psychosomatik, Psychologie, Sozialmedizin und physikalische Therapie wesentliche Bestandteile der Forschung zur Prävention, Frühdiagnose Prognostik, Behandlung und Rehabilitation rheumatischer Erkrankungen.

Die Rheumatologie hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem klinisch und wissenschaftlich sehr aktiven Spezialgebiet entwickelt. Neben Originalliteratur und aktuellen Übersichten (nationale und internationale Zeitschriften), kann zunehmend auf ein wachsendes Angebot von Hand- und Lehrbüchern zurückgegriffen werden.

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