Röntgen
Die Entdeckung der Röntgenstrahlen
Die Entdeckung der Röntgenstrahlen durch Wilhelm Konrad Röntgen am 8.11.1895 an der Universität Würzburg stellte den Beginn einer neuen Epoche in der Medizin und Physik dar. Beim Anlegen einer hohen elektrischen Spannung durch Auftreffen von Kathodenstrahlen auf ein Hindernis, wie es die Glaswand der Röhre darstellt, wurden neuartige Strahlen erzeugt.
Als wesentliche Eigenschaften hob Röntgen hervor, daß alle Körper für die neuen Strahlen mehr oder weniger durchlässig sind, wobei sich die Körper allerdings in Ihrer Absorbtion erheblich voneinander unterscheiden. In den letzten hundert Jahren ist die Röntgendiagnostik vor allem auf orthopädischem Fachgebiet für die Diagnostik von Frakturen, Fehlhaltungen und anatomischen Formveränderungen avanciert.
Die Röntgenuntersuchung findet entweder in Form der Durchleuchtung oder der Aufnahme (Röntgenbild) statt. Die Voraussetzung für das Zustandekommen eines Bildes ist der Kontrastunterschied der einzelnen Organe.
1. Skelettalterbestimmung
Mit den von Tanner et al. angegebenen Methoden nach RUS (Radius Ulna Short Bones), TW2 und Carpals wird an einer dorso-palmaren Rö-Aufnahme der li Hand der Reifezustand einzelner Epiphysen beurteilt und einem Stadium zugeordnet. Das Aussehen und die Größe der Epiphyse sind für jedes Stadium definiert. Es werden eins, zwei oder drei Kriterien beschrieben. Um die Epiphyse einem Stadium mit nur einem der zwei beschriebenen Kriterien zuzuordnen muß eine Beschreibung (Kriterium) zutreffen. Bei drei angegebenen Kriterien müssen zwei vorhanden sein. Jeden Stadium ist ein bestimmter Punktwert zugeordnet. Die Summe der Punkte ergibt das Knochenalter. Die Bestimmung des Knochenalters am Skelett der li Hand ist schwierig bei Kindern unter 5 Jahren.
Zur schnellen Orientierung werden Skizzen und Vergleichsröntgenbilder angeboten. Die Zuordnung sollte allerdings an Hand der Beschreibung erfolgen.
Um Fehler zu vermeiden, ist es empfehlenswert standardisiert vorzugehen. Bei der Röntgenaufnahme ist ein Film - Focus - Abstand von 76cm einzuhalten. Die Hand wird palmar mit leicht gespreizten Fingern und leichtem Druck aufgelegt. Der Daumen bildet mit dem Zeigefinger einen Winkel von 30°. Der 3. Strahl liegt in Verlängerung der Unterarmachse. Zentriert wird auf das Köpfchen des 3. Mittelhandknochens. Bei der Bewertung sollte das Röntgenbild am Bildbetrachter mit den Fingerspitzen nach oben und dem Daumen re (vom Betrachter gesehen) angebracht werden.
Folgende anatomisch übliche Bezeichnungen werden verwand: ulnar, radial, distal, proximal, dorsal und palmar.
RUS-Methode
Die Epiphyse folgender Knochen werden beurteilt:
Speiche, Elle, 1. Mittelhandknochen, 3. Mittelhandknochen, 5. Mittelhandknochen, Grundglied Daumen, Grundglied 3. Finger, Grundglied 5. Finger, Mittelglied 3. Finger, Mittelglied 5. Finger, Endglied Daumen, Endglied 3. Finger und Endglied 5. Finger.
Für die Praxis ist diese Methode ausreichend.
TW2-Methode
Zu den RUS-Knochen wird zusätzlich der Entwicklungsstand der Handwurzelknochen:
Kopfbein, Hakenbein, Dreiecksbein, Mondbein, Kahnbein, großes Vielecksbein und kleines Vielecksbein bestimmt.
Carpals
Beurteilt wird der Entwicklungsstand der Handwurzelknochen.
2. Bestimmung der prospektiven Erwachsenengröße
Die Berechnung der zu erwartenden Erwachsenengröße erfolgt nach den Methoden von Tanner, Bayley-Pinneau und Roche-Wainer-Thissen. Bei Jungen ist die Berechnung im Alter von 6 bis 18,5 Jahren, bei Mädchen im Alter von 5 bis 16,5 Jahren möglich.
2.1 Methode nach Tanner
Die Berechnung basiert auf dem kalendarischen Alter, dem Knochenalter und der Körpergröße des Kindes in Abhängigkeit vom Geschlecht.
2.2 Methode Bayley-Pinneau
Es wird davon ausgegangen, daß in jedem Knochenalter ein bestimmter Prozentsatz der endgültigen Größe in Abhängigkeit vom Entwicklungsstand des Kindes (retardiert, normal, acceleriert) erreicht ist.
2.3 Methode nach Roche, Wainer, Thissen
Neben dem kalendarischen Alter, dem Knochenalter, der Körpergröße des Kindes wird zusätzlich das Gewicht des Kindes und die mittlere Elterngröße berücksichtigt
RÖNTGENOLOGISCHE SEGMENTDIAGNOSTIK DER HALSWIRBELSÄULE
nach Arlen
Die röntgenologische Segmentdiagnostik der HWS ist eine Messmethode zur Analyse der intervertebralen Gelenkfunktion. Sie erfasst in rund 80 Parametern:
- die Statik der 7 Halswirbel bei Neutralhaltung, Flexion und Extension in der sagittalen Ebene
- die Beweglichkeit der Segmente OC/C1 bis C6/C7 von Neutralhaltung nach Flexion und nach Extension.
Die Messmethode ist als Routineuntersuchung anwendbar und erfordert keine besondere technische Ausrüstung. Sie kann von einer Hilfsperson mit etwas Übung in maximal 30 Minuten durchgeführt werden. Sie ist reproduzierbar unter der Voraussetzung, das Aufnahmeverfahren möglichst zu standardisieren.
Die röntgenologische Segmentdiagnostik wird hauptsächlich bei zervikalen und zerviko-zephalen Syndromen angewendet. Ihr Hauptwert liegt in der Möglichkeit, Wirbelblockierungen nachzuweisen, die klinisch und mit den üblichen Röntgenverfahren nicht feststellbar sind. Sie wird deshalb vor allem in Begutachtungsfragen bei post-traumatischen Syndromen herangezogen, wenn Wirbelblockierungen als Kausalfaktor und somatisches Substrat der Beschwerden unter Beweis zu stellen sind.