Fibromylagie
Fibromyalgie
Kombination von psychischen, neurologischen, vegetativen, endokrinologschen und funktionellen Störungen mit generalisierten Schmerzen im muskuloskelettalen System.
Besondere Reaktionsform auf verschiedene physische und emotionale Reize:
Psychosoziale Streßzustände, verschiedene Erkrankungen.
Verschiedene Formen des Fibromyalgiesyndroms
- primär — sekundär
- somatogen
- somatopsychisch
- psychosomatisch
- psychogen
Kombination von 5 Kardinalsymptomen
- Schmerzen
- Müdigkeit
- Schlafstörung
- Depression
- Neuroendokrine Dystonie.
Äthiopathogenese des Fibromyalgiesyndroms
1. Überforderungsyndrom
durch anhaltenden familiären, beruflichen oder sozialen Streß mit inadäquater Reaktion
2. Veränderte Selbstwahrnehmung
mit Störungen der neuroendokrinen Regulation in unterschiedlicher Ausprägung
Möglicherweise ausgelöste Störungen folgender Regelkreise:
2.1 Störung des neuroendokrinologischen Regelkreises:
- verminderte Serotoninproduktion, Mangel an Serotonin, Überwiegen der Substanz P
- erhöhte Schmerzperzeption
- erniedrigte Schmerzschwelle
- Störung der zentralen Schmerzverarbeitung
2.2 Störung des Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Regelkreises:
- gestörte Cortisolsekretion
- M. Addinson ähnliche Dystonie
- erhöhte lnfektanfälligkeit
2.3 Intramuskuläre Störungen
- Lokale Stoffwechselstörung energiereicher Phosphate
Häufigkeit und Verteilung
- 0,6 — 3,2 % der Bevölkerung
- 350 — 6,0 % in der Allgemein-Praxis
- bis 20 % in der Rheuma-Sprechstunde
- Frauen siebenmal häufiger als Männer
- familiäre Häufung bekannt
- Prodromalstadium bis zu sieben Jahren
- Altersgipfel 24 bis 50 Jahre
Symptome
Kardinalsymptome:
- Muskelschmerzen
- Müdigkeit
- Schlafstörung
- Depression
- Neuroendokrine Dystonie
I. Chronische, polytope Schmerzen in der Muskulatur und im straffen Bindegewebe sowie an Insertionsstellen im Thorax- und Rückenbereich, an der oberen und unteren Extremität sowohl in der rechten als auch linken Körperhälfte.
Tender points: druckschmerzhafte Punkte an definierten Stellen:
- Trapezius-Ansatz am Hinterkopf
- Ligamenta transversaria C4 - C5
- M. trapezius am Schultersattel
- M. levator scapulae am Scapulawinkel
- Knorpel- und Knochengrenze der zweiten Rippe
- Epicondylus lateralis Ellenbogen
- Glutaeus medius Ansatz Beckenkamm
- Trochanter major
- Pes anserinus am medialen Kniegelenk
Kontrollpunkte (nicht druckschmerzhaft):
- Stirnmitte, 2 cm oberhalb Orbitarand
- Clavicula, Übergang laterales/mittleres Drittel
- Unterarm-Mitte zwischen Radius und Ulna dorsal, 5 cm proximal des Handgelenks
- Daumennagel
- Thenar-Mitte
- M. biceps femoris (Mitte Oberschenkel)
- Tuber calcanei (plantar, Mitte)
II. Überschießende Reaktion auf physischen und psychischen Stress mit rascher
Ermüdbarkeit und rascher Erschöpfung, geringer Belastbarkeit,
Leistungsschwäche und Konzentrationsstörung.
III. Schlafstörung; besonders Störung der Tiefschlafphase IV (Non-REM-Phase),
verursacht Gefühl der Zerschlagenheit und verhindert einen erholsamen
Schlaf.
IV. Depression und andere psychische Störungen bestehen bei mind. 50 % der
Patienten, oft Kombination von emotionalem und psychischem Distreß.
V. Folgende Hypothesen der neuroendokrinen Dystonie werden diskutiert:
- Störungen des neuroendokrinen Regelkreises führen zu einer verminderten Sero-
tonin-Sekretion und Überwiegen anderer biogener Amine wie Substanz P, Met-
Enkephalin, Dymorphin-A mit Absenkung der Schmerzschwelle und erhöhter
Anfälligkeit für Schmerzreize sowie Störung der zentralen Schmerzverarbeitung. - Störungen des Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Regelkreises
führen zu Morbus Addinson-ähnlichen Symptomen mit spürbarer Ein-
schränkung der Leistungsfähigkeit und deutlicher Abwehrschwäche und
können mit Autoimmunreaktionen und allergischer Diathese einhergehen. - Erhöhte Sympathikus-Aktivität führt zu peripheren Durchblutungs-
störungen mit Raynaud-Symptomatik und zahlreichen vegetativen Begleit-
erscheinungen.
Funktionelle Begleitsymptome
- Kopfschmerzen (Spannungskopfschmerz, Migräne)
- Colon irritabile
- Nervöser Reizmagen
- Reizblase
- Dysmenorrhoe
- Parästhesien
- Schwellungsgefuhl an Händen und Füßen
- Raynaud-Symptomatik
- Restless Legs.
Differentialdiagnose
- Tendomyopathie, Tendomyogelose
- Generalisierte Myotendinose
- Trigger point-Syndrom
- Polymyalgia rheumatica
- Eosinophilie-Myalgie-Syndrom
- Kollagenosen:Sjögren-Syndrom, Sklerodermie
- Arthralgien, Potyarthrosen, Morbus Bechterew
- Osteoporose
- Chronic fatigue-Syndrom
- Larvierte Depression mit Hypochondrie
- Neurasthenie
- Pseudomyasthenia gravis
- Encephalomyelitis disseminata (MS)
Diagnostik
Anamnese: chronische polytope extraartikuläre Schmerzen im Stütz- und Bewegungssystem, chronische Müdigkeit und Erschöpfung, mangelnde Leistungsfähigkeit, Schlafstörung, psychische Störungen
Tender points: Druckschmerz an mindestens 11 von 18 definierten Punkten
Kontrollpunkte: an höchstens drei Punkten positive Druckschmerzreaktion, an anderen Punkten kein
Druckschmerz
Fibromyalgie-Syndrom
•Tender points: druckschmerzhafte Punkte an definierten Stellen
*Kontrollpunkte: (nicht druckschmerzhaft)
Fehlende Organerkrankungen
Normale Röntgenbefunde
Normale Laborwerte: Entzündungsparameter
Diff. Blutbild, Rheumaserologie
Immunglobuline,
Muskelenzyme
Muskelbiopsie
Im Einzelfall: Calcitonin erniedrigt
Autoantikörper: gegen Serotonin, Phospholipide,
Ganglioside und Nucleoli (30 — 70 % pos.)
EEG normal, außer: Alteration im Tiefschlaf-EEG: gestörte Non-REM-Phase
Therapie
Aufklärung von Patient und sozialem Umfeld: über Erkrankung und Therapie
Unterstützung bei gutachterlichen Konfliktsituationen und
Berentungsproblemen
Physiotherapie: Wärme, z.B. Fangopackungen,
Kälte, ggf. Kältekammer,
versuchsweise Krankengymnastik,
vorsichtiges Ausdauertraining
Psychotherapie: Entspannungsübungen, z.B. nach JACOBSON,
Streßbewältigungsstrategien,
Schmerzdistanzierungsverfahren,
konfliktlösende Gesprächstherapie
Medikation: Antidepressiva: Amitriptylin 25 - 50 mg abends
versuchsweise Analgetika: NSAR, z.B. Ibuprofen, Flupirtin
5 HT3-Rezeptor-Antagonisten: z.B. Tropisetron
versuchsweise TENS
Versuchsweise TLA: Injektion von Lokalanästhetikum in spontan schmerzhafte
Tender-points
Eosinophilie-Myalgiesyndrom (EMS)
Definition
- Myalgie
- Eosinophilie
- Tryptophan-Einnahme
I. Stadium: Frühstadium:
Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen
Fieber, Gewichtsverlust, Ödeme
Müdigkeit, Dysästhesien
Husten, Hauteffloreszenzen, Juckreiz
II. Stadium: Zwischenstadium:
Myalgie, Müdigkeit
Hautmanifestation
neurologische Störungen
III. Stadium: Spätstadium:
Hautveränderungen wie Sklerodermie
Neuropathie mit Parästhesien
Myalgie, Müdigkeit
pulmonale Hypertonie
Schilddrüsenfunktionsstörung
Eisenmangel
Häufigkeit:
extrem selten
USA: 1600 Fälle
Deutschland: 130 Fälle
Alters-/Geschlechtsverteilung: 26 — 72 Jahre, 84 % Frauen
Ursache : Reaktion auf kurzfristige oder dauernde Einnahme verunreinigter tryptophanhaltiger Substanzen
Nahrungsmittelallergische Reaktionen bei prädisponierten Individuen
Latenzzeit: 10 Tage bis 2 — 3 Jahre
Diskutiert werden:
- Genetische Disposition
- hyperergische Reaktion
- Neigung zu Autoimmunreaktionen
- antinukleäre Antikörper
- 30 % Antikörper gegen Serotonin
- Serotoninmangel: Schlafstörung, Depression
- erhöhte Schmerzempfindlichkeit
Symptome
1. Schmerzen im Bewegungsapparat
- Muskelschmerzen, Myalgie
- Entzündungen von Faszien und Sehnen
- Bindegewebige Verhärtungen
- Gelenkschmerzen: Myotendinosen
Ligamentosen
Peritendinopathien
Tendovaginitiden
2. Hautveränderungen
- Ödeme
- Skerosierungen
- Ulzeration
3. Polyneuropathien:
- Myasthenie, Paresen, Atrophien
- Neuralgien: Dys-/Hyperästhesien,
- Hyperalgesie, Allodynie
schwierig, keine optimale Therapie bekannt.
Frühstadium: Steroide (max. 3 Monate)
Versuch:
Zytostatika:
Cyclophosphamid
Methotrexat
Azathioprin
Hydroxochloroquin
Plasmapherese
hochgereinigtes Tryptophan:
Analgesie
Stimmungsaufhellung
Verdrängung vom Rezeptor