Qigong und Taiji
Die dritte Säule der therapeutischen Verfahren in der Chinesischen Medizin ist das Qigong. Qigong bedeutet Qi-Übungen, Umgang mit dem Qi. Spezielle Übungen zielen darauf ab, das Qi im Körper zu harmonisieren, es in gleichmäßigem Fluß zu halten und auf diese Weise Krankheiten entgegenzuwirken. Der Übende versucht zunächst, das Qi wahrzunehmen, es zu aktivieren und es mittels der Vorstellungskraft durch den Körper zu leiten. Das Qi kann im Körper in speziellen Leitbahnen zum Kreisen gebracht oder an die von einer Erkrankung befallenen Stellen des Körpers gelenkt werden, um auf diese Weise der Krankheit entgegenzuwirken. Weiterhin besteht die Möglichkeit, das Qi verstärkt an einem bestimmten Akupunkturpunkt zu sammeln. Mit der Qi-Kraft können Blockaden gelöst werden oder der Therapeut kann mit seinem Qi auf den Patienten einwirken und so energetische Mangelzustände beeinflussen.In China gibt es inzwischen Sanatorien und Kliniken, wo diese Übungen manchmal ausschließlich, häufig aber kombiniert mit anderen Therapieverfahren bei chronisch erkrankten Patienten, bei Erkrankungen der Atemwege, des Herzkreislaufsystems, bei Gelenkbeschwerden oder selbst bei tumorösen Erkrankungen eingesetzt werden.
Auch das Taiji wird in China wieder zunehmend geschätzt. Anregungen für das Taiji lieferte den Chinesen der spielerische Kampf der Tiere: ein Spiel zwischen Geschmeidigkeit und Kraft, zwischen Schnelligkeit und Härte. Und so wie es aus daoistischer Weltsicht heißt: "Alles Biegsame, Weiche ist auf Dauer allem Harten überlegen, so wie das Wasser dem Stein", so entwickelten sich aus dieser Einsicht wellenförmig kreisende Bewegungen, dem Wechselspiel von Yin und Yang entsprechend, mit der Möglichkeit des Schwächeren, sich dem übermäßigen Gegner dadurch zu entziehen, daß er diesen ins Leere laufen läßt. In China preist man die Langzeitwunderwirkungen dieser Körperkunst, die dem regelmäßig Übenden "die Geschmeidigkeit eines Kindes, die Gesundheit eines Holzfällers und die Gelassenheit eines Weisen" verspricht.