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Therapeutische Likalanästhesie

Einführung

Im Rahmen seiner wissenschaftlichen Forschungen hat der Wiener Psychologe Sigmund Freud im Rahmen eines Selbstversuches die anästhetische Wirkung von Kokain auf die Mundschleimhaut entdeckt. Nach Mitteilung an einen Augenarzt hat dieser im gleichen Jahr 1833 unter Kokain die erste Operation eines grauen Stares ausgeführt. Der eigentliche Beginn der “therapeutischen Lokalanästhesie (TLA)” kann mit der Entdeckung des Novacain von Einhorn verknüpft werden

Einer der Pioniere der therapeutischen Lokalanästhesie bzw. der Neuraltherapie war Herr Hunecke (1940) mit Beschreibung des Sekundenphänomens. Es wurde über das Erlöschen von weit ab vom Injektionsort gelegenen Funktionsstörungen bei Unterspritzen chronischer Irritationsstellen mit einem Lokalanästhetikum berichtet. Dieser Effekt trat unmittelbar auf, sodass von Hunecke der Begriff Sekundenphänomen geprägt wurde. Hervorgehoben werden muß allerdings, dass diese beschriebenen Sekundenphänomene sehr selten sind.

Die therapeutische Lokalanästhesie beinhaltet nach der Anamnese und der Untersuchung von Patienten nach Palpation einer gestörten Struktur die Lokalanästhesie dieses Bereiches mit der Unterbrechung eines Reflexgeschehens, das den Schmerzkreislauf in diesem Bereich unterhält.

Zahlreiche Substanzen können die Nervenleitung blockieren. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch lediglich um einen Begleiteffekt. Als Lokalanästhetika haben nur wenige Substanzen klinische Bedeutung. Lokalanästhetika zeichnen sich durch spezifische Wirkungen am Nerven aus. Sie haben jedoch auch Wirkungen an anderen Organsystemen. In höheren Dosierungen ist mit spezifischen, toxischen Reaktionen zu rechnen.

Exemplarische Darstellung von einigen invasiven Therapieverfahren der therapeutischen Lokalanästhesie

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie (TLA) unterscheidet man periphere und zentrale Injektionstechniken. Injiziert werden bei den peripheren Techniken Lokalanästhetika mit und ohne Corticoidzusatz zur Abschwellung am häufigsten im Bereich von Gelenken, Nerven, Bändern und Muskulatur. Häufig werden Triggerpunkte infiltriert, die für die Klinik des gestörten Bewegungsapparates große Bedeutung haben. Diese Triggerpunkte weisen die unangenehme Tendenz auf, die Automatisierung des Reizgeschehens und das Unterhalten des Schmerzkreislauf zu bewirken.
Von den zentralen Injektionstechniken sollen einige aus dem täglichen orthopädischen Alltag beschrieben werden.

Stellatumblockade :

Das “Sonnengeflecht” liegt als sympathisches Nervengeflecht vor dem 7. Halswirbelkörper im Bereich der unteren HWS und versorgt vegetativ die obere Extremität und Teile des Kopfes. Durch die Blockade mit Lokalanästhetika können chronische Kopf- Armschmerzen unterschiedlichster Entstehung behandelt werden.

Lumbale Wurzelblockade :

Bei Ischiasbeschwerden im Bereich der Beine erfolgen Injektionen im Bereich der LWS bei therapieresistenten Beschwerden und an die Austrittstellen der Lumbalnerven im Bereich der LWS. Es kommt durch Bandscheibenvorfälle zur einer Druckproblematik im Bereich einzelner Spiralnerven. Durch eine Injektion an der Austrittstelle der Nerven im Bereich der Nervenlöcher kommt es zu einer Schmerzausschaltung und durch Cortisonzusatz zu einer Abschwellung im betroffenen Bezirk. Nach diesen Injektionen kann der seiner Beschwerden gelinderte Patient sich häufig deutlich besser bewegen und der Beinschmerz ist oft reduziert, sodaß durch normale Bewegung der LWS es zu auch länger dauernder Schmerzreduktion kommen sollte.

Peridurale Injektionstechniken mit und ohne Katheter :

Bei dieser Injektionstechnik wird im Sitzen, in Seitenlage oder in Bauchlage eine dünne Nadel vom Rücken aus zu der harten Rückenmarkshirnhaut geführt.
Dieser Vorgang erfolgt in örtlicher Betäubung und wird von den Patienten üblicherweise nur als Druckgefühl empfunden.
Bei starken Beschwerden wird auch ein weicher Gummikatheter über die Nadel in den periduralen Raum eingeführt. Über diese Nadel oder Katheter wird dann ein örtliches Betäubungsmittel und in manchen Fällen ein entzündungshemmendes und abschwellend wirkendes Cortisonpräparat eingespritzt, das sich um die Nervenwurzel im Wirbelkanal verteilt.
Nach dieser Injektion kann für mehrere Stunden ein Wärme- Taubheitsgefühl, sowie Lähmungserscheinungen im Bereich der Beine auftreten. Das Taubheitsgefühl und die Lähmungserscheinungen sind erwünscht und Teil der Behandlung. Sie bilden sich in allen Fällen innerhalb weniger Stunden wieder zurück.
Je nach Beschwerdeproblematik und zugrunde liegendem Problem im Spinalkanal werden neben Cortison auch Morphinpräparate, Enzyme und hochdosierte Kochsalzlösungen in den Periduralraum injiziert.
Auch durch osmotische Wirkung wird das komprimierende Gewebe entwässert, die Enzyme lassen die Nervenwurzel und die perineuralen Gewebe abschwellen und es kommt häufig zu einer räumlichen Entlastung der Nervenwurzeln, sodaß häufig eine Bandscheibenoperation vermieden werden kann.

Indikationen:

  • akute und chronische Bandscheibenvorfälle
  • Spinalkanalstenose
  • Narbenverwachsungen nach Wibelsäulenoperationen

Vorteile der epiduralen Injektionsmethode:

  • Risikoarmes, minimal invasives Behandlungsverfahren
    in Lokalanästhesie ohne Vollnarkose
  • Möglichkeit der konservativen Weiterbehandlung bei
    liegendem Katheter
  • kein Risiko einer Narbenbildung
  • Vermeidung eines stat. Aufenthaltes.

Blockaden des Plexus cervico brachialis :

Das Nervengeflecht, das von der Halswirbelsäule in die Arme zieht, kann in mehreren Etagen im Bereich Halswirbelsäule, der Achselhöhle, zur Reduzierung der Schmerzen im Bereich des Armes blockiert werden. Durch die Blockade kommt es zu einer Weitstellung der Gefäße im Bereich der betroffenen oberen Extremität und zu einer verbesserten Durchblutung. Dies macht man sich zu Nutze bei therapieresistenten oder starken Schmerzzuständen im Bereich der oberen Extremitäten.
Die lokalen Injektionen können mit Singleshot oder mit der Implantation eines Gummikatheters erfolgen, durch den mehrere Tage die Injektionen von Schmerzmittel und evtl. entzündungshemmenden Substanzen möglich ist.

Nervenblockade des Plexus brachialis im Bereich der Achselhöhle

Es erfolgt die einseitige Blockade des Nervengeflechtes für den Arm im Bereich der Achselhöhle ebenfalls zur Schmerzausschaltung für eine Narkose oder im Rahmen der Schmerztherapie zur Sympatikolyse über eine ein- oder mehrmalige Katheterinjektion.
Nach Hautdesinfektion der Achselhöhle wird bei abgehobenem Arm die Arterie getastet. Die Kanüle wird um die Arterie herum platziert, da das Nervengeflecht in diesem Bereich die Armarterie umgibt. Nach Aufsuchen von Kribbelerscheinungen in den Arm hinein erfolgt die Injektion des lokalen Betäubungsmittels oder das Vorschieben eines Katheters in die Nervenscheide zur Schmerzausschaltung oder Durchblutungsverbesserung für den betroffenen Arm.

Intravenöse Regionalanästhesie

Für operative Eingriffe im Bereich der Arme und Beine kann eine intravenöse Lokalanästhesie erfolgen ebenso wie für eine Sympaticusblockade bei durchblutungsbedingten Störungen im Bereich einer Extremität.
Nach Anlage von zwei Blutleeremanschetten und Auswickeln der Extremität wird nach Aufpumpen der proximalen Manschetten ein Lokalanästhetikum in die Extremität eingebracht. Nach Wirkungseintritt wird die untere Blutdruckmanschette aufgepumpt und die obere gelöst. Die Betäubung im Bereich der betäubten Extremität kann für 45 MInuten verbleiben. Beim Hinzufügen von Guanethidin im Rahmen der Schmerztherapie kommt es bei Anwendung des Verfahrens zur Behandlung eines Morbus Sudeck zu einer peripheren Gefäßweitstellung mit der Folge einer besseren lokalen Durchblutung.