Traditionelle Chinesische Medizin
Chinesisches Denken
Unsere moderne, naturwissenschaftlich begründete Medizin ist eine somatische, d.h. auf den Körper bezogener Wissenschaft. Die Gegenstände, mit denen sie es zu tun hat und in die sie den Menschen einteilt, sind etwas Gegenständliches, Stoffliches, Materielles. Die gedanklichen Voraussetzungen dazu schuf Isaac Newton im 17. Jahrhundert mit seinem überzeugenden, umfassenden, mechanistischen Weltbild. Daraus entwickelte sich ein sehr funktionstüchtiges, mechanisches Modell des Körpers. Kranksein ist mit morphologischen, messbaren Veränderungen verknüpft und wird als Fehlfunktion von physikalisch-chemischen und biologischen Mechanismen angesehen, die korrigiert werden müssen. Diese Medizin eignet sich v.a. für Krankheiten, die sich als körperliche Veränderung manifestieren, für fortgeschrittene, ernste, oft lebensgefährliche Krankheiten.
Die chinesische Medizin ist eine funktionale Wissenschaft. Das bedeutet, dass bei ihr lebendige Abläufe, Lebensfunktionen, aktuelles biologisches oder psychisches Geschehen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Die chinesischen Ärzte verstehen den Menschen als ein energetisches Gefüge. Das "energetische Potential", welches die Chinesen Qi nennen, durchdringt den Körper wie Flüsse und Seen eine Landschaft durchströmen. Nach der Erfahrung der alten Ärzte fließt dieses Qi auf definierten Bahnen (Leitbahnen oder Meridiane). Diese Bahnen leiten das Qi, zyklisch aufeinander folgend, durch den Körper.
Akupunktur
Zugang zum energetischen Fließsystem erlauben "Öffnungen"; in der Haut, die als Akupunkturpunkte bezeichnet werden. Vor über 2000 Jahren wurde schon beschrieben, daß eine Einflußnahme auf das Qi durch Einwirken von außen möglich ist. Akupunktur, das Stechen mit der Metallnadel (lat. acus = Nadel, pungere = stechen), ist die geläufigste Form der Einflußnahme. Ziel der Behandlung ist, das Qi in seinem Wegesystem zu erreichen und zu modellieren. Hier knüpft die therapeutische Absicht an die diagnostische Aussage an. So sind beispielsweise Blockaden zu lösen, der Qi-Fluß zu kräftigen oder krankhaftes Qi ist aus dem Körper herauszuleiten. Denn Schmerzen werden, so die Lehre, dadurch erzeugt, daß der Fluß des Qi unterbrochen oder gestört ist.
In der Akupunktur-Therapie werden geeignete Punkte meist nach differentialdiagnostischen Gesichtspunkten ausgewählt. Da sich jedoch der Qi- und Xue-Fluss im Körper phasenweise ändert, sind bestimmte Foramina zu bestimmten Zeiten besonders zugänglich beziehungsweise geöffnet.
Neben der Anwendung von Nadeln gibt es auch das Abbrennen von Beifuß (Folium Artemesiae Argyi) an einem Punkt der Körperoberfläche. Diese Moxa-Therapie orientiert sich an den gleichen Leitbahnen wie die Akupunktur und beruht auf dem gleichen Prinzip. Statt der Nadeln wird hier jedoch Wärme zur Stimulierung der Punkte benutzt.
Arzneimittel
Seit ältester Zeit ist die Anwendung von Arzneimitteln das mit Abstand wichtigste, vielfältigste und am feinsten steuerbare Heilverfahren der traditionellen chinesischen Medizin. Pflanzliche, mineralische und tierische Stoffe werden in einer individuell zusammengestellten Rezeptur verordnet. Die bei uns gebrauchten Arzneimittel sind zum überwiegenden Anteil pflanzlichen Ursprungs, einige stammen aus dem Mineralienreich und ganz wenige aus dem Tierreich, wobei hier streng auf den Artenschutz Rücksicht genommen wird und keine Schildkrötenpanzer, Tigerknochen oder Bärengallen verwendet werden.
Im 16. Jahrhundert verfaßte der Arzt und Naturforscher Li Shizhen seinen berühmten «Abriß der Kräutermedizin». Das Werk besteht aus 52 Schriftrollen und enthält 1892 Arzneien sowie mehr als 10"000 Rezepturen. Es gilt als «Schatzhaus der chinesischen Medizin». Heute werden etwa 3"000 verfügbaren Spezialitäten klassifiziert, von denen der praktizierende Arzt einige hundert für seine Rezepturen benötigt.
Diese Arzneimittel werden gekocht (Kochanleitung) und als Dekokt (Absud) oder als Tee über den Tag verteilt getrunken. Daneben gibt es auch andere galenische Formen wie Granulate oder Konzentrate. Granulate sind Extrakte aus Rohdrogen. Die Kräuter werden dazu in einem komplizierten Verfahren verarbeitet. Diese getrockneten, pulverförmigen Arzneimittel müssen nicht mehr gekocht, sondern können mit Wasser vermischt eingenommen werden. Sie eignen sich besonders für die Ferien oder wenn man viel unterwegs ist. Üblicherweise werden aber Kräuter angewendet, die zu Hause gekocht werden müssen. Vor allem für Kinder eignen sich Konzentrate in Tropfenform, in denen die chinesischen Arzneimittel in einer süßen Glycerinlösung aufgelöst sind.
Die Wirkung eines jeden Arzneimittels wird qualitativ eindeutig bestimmt. Beispielsweise heißt es in der Arzneimittellehre über den frischen Ingwer, sein Temperaturverhalten sei neutral bis leicht warm, seine Geschmacksrichtung scharf, und er wirke in erster Linie auf den Funktionsbereich Lunge, auch auf die gesamte Mitte. Die genaue Wirkbeschreibung ist jedoch noch wesentlich umfassender und präziser und für den Einsatz als Heilmittel unerläßlich: Die Oberfläche wird gelöst, der Ingwer wirkt schweißtreibend. Die Mitte wird erwärmt. Ingwer stillt Übelkeit, hebt den Hustenreiz auf, außerdem wird Schleim ausgeleitet.
Qigong und Taiji
Die dritte Säule der therapeutischen Verfahren in der Chinesischen Medizin ist das Qigong. Qigong bedeutet Qi-Übungen, Umgang mit dem Qi. Spezielle Übungen zielen darauf ab, das Qi im Körper zu harmonisieren, es in gleichmäßigem Fluß zu halten und auf diese Weise Krankheiten entgegenzuwirken. Der Übende versucht zunächst, das Qi wahrzunehmen, es zu aktivieren und es mittels der Vorstellungskraft durch den Körper zu leiten. Das Qi kann im Körper in speziellen Leitbahnen zum Kreisen gebracht oder an die von einer Erkrankung befallenen Stellen des Körpers gelenkt werden, um auf diese Weise der Krankheit entgegenzuwirken. Weiterhin besteht die Möglichkeit, das Qi verstärkt an einem bestimmten Akupunkturpunkt zu sammeln. Mit der Qi-Kraft können Blockaden gelöst werden oder der Therapeut kann mit seinem Qi auf den Patienten einwirken und so energetische Mangelzustände beeinflussen.
In China gibt es inzwischen Sanatorien und Kliniken, wo diese Übungen manchmal ausschließlich, häufig aber kombiniert mit anderen Therapieverfahren bei chronisch erkrankten Patienten, bei Erkrankungen der Atemwege, des Herzkreislaufsystems, bei Gelenkbeschwerden oder selbst bei tumorösen Erkrankungen eingesetzt werden.
Auch das Taiji wird in China wieder zunehmend geschätzt. Anregungen für das Taiji lieferte den Chinesen der spielerische Kampf der Tiere: ein Spiel zwischen Geschmeidigkeit und Kraft, zwischen Schnelligkeit und Härte. Und so wie es aus daoistischer Weltsicht heißt: "Alles Biegsame, Weiche ist auf Dauer allem Harten überlegen, so wie das Wasser dem Stein", so entwickelten sich aus dieser Einsicht wellenförmig kreisende Bewegungen, dem Wechselspiel von Yin und Yang entsprechend, mit der Möglichkeit des Schwächeren, sich dem übermäßigen Gegner dadurch zu entziehen, daß er diesen ins Leere laufen läßt. In China preist man die Langzeitwunderwirkungen dieser Körperkunst, die dem regelmäßig Übenden "die Geschmeidigkeit eines Kindes, die Gesundheit eines Holzfällers und die Gelassenheit eines Weisen" verspricht.
Chinesische Diätetik
Die Beschäftigung mit Ernährung und Medizin hat in China eine lange Tradition. Schon von frühester Zeit an war man sich sehr deutlich bewusst, welche Auswirkungen die Nahrung auf den menschlichen Körper hat und wie wichtig eine ausgewogene Ernährung für das allgemeine Wohlbefinden ist. Nahrungsmittel sind milde Therapeutika. Man bedient sich der Qi-Kraft eines Nahrungsmittels, um auf das Qi im menschlichen Organismus korrigierend einzuwirken. In der chinesischen Diätetik werden Lebensmittel (genau wie auch die Arzneimittel) gemäss ihrer Wirkung auf den Menschen nach folgendem Ordnungsschema beschrieben: Das Temperaturverhalten (kalt-heiss) gibt Aufschluss über die energetische Dynamik eines Lebensmittels. Es zeigt an, ob ein Lebensmittel das Qi stark oder nur leicht bewegt (Chillies bewirken eine Beschleunigung der physiologischen Prozesse, Wassermelonen eine Verlangsamung). Die Geschmacksrichtung (salzig-scharf) gibt Aufschluss darüber, in welcher Schicht ein Lebensmittel wirksam ist . Die energetische Wirktendenz gibt an, ob ein Lebensmittel emporhebend, absenken, an der Oberfläche oder in der Tiefe wirksam ist (Frühlingszwiebeln wirken emporhebend, Spinat absenkend, Zimt wirkt an der Oberfläche, Tomate in der Tiefe). Der Funktionskreisbezug gibt Aufschluss darüber, in welchem Funktionskreis bzw. in welcher Leitbahn das Lebensmittel seine Wirkung entfaltet.
Diese Aussagen über die Wirkrichtung eines jeden Nahrungsmittels sind wichtige Bausteine im Gesamtgefüge der chinesischen Medizin und ermöglichen ein genaues Abstimmen auf andere Therapieverfahren. Die ihnen zugrundeliegende qualitative Betrachtungsweise eines Nahrungsmittel ist neu für uns im Westen, die wir die Dinge eher unter quantitativen Gesichtspunkten betrachten. Das Wissen um die exakten energetischen Wirkmöglichkeiten eines Nahrungsmittels ist unabdingbare Voraussetzung für einen gezielten therapeutischen Einsatz. Zugleich eröffnet es ungeahnte Möglichkeiten in der prophylaktischen und kurativen Medizin. Ihre volle Wirkung kann die chinesische Diätetik jedoch nur entfalten, wenn sie ganz in den Kontext der chinesischen Medizin integriert wird.
" Ein guter Arzt muss kochen können "
" Der Mund ist das Tor zur Gesundheit. Jeden Tag aufs neue. "
Diagnostik
Die Chinesen haben die Bedeutung der Präventivmedizin als wichtigsten Faktor der Volksgesundheit schon früh erkannt und gepflegt. Vom Arzt verlangt das die Fähigkeit, Anzeichen für aufkommende Leiden erkennen und deuten zu können, noch bevor der Patient einen schweren Schaden erlitten hat. Die Diagnostik der chinesischen Medizin stützt sich auf vier Verfahren:
Die Befragung: Dazu gehören die Temperaturempfindung des Patienten, die Art und das Auftreten von Schweiss, die Besserung oder Verschlechterung der Symptome in Abhängigkeit von Nahrungsmitteln, Witterungslage, Tageszeit, etc., ferner Appetit, die Zu- und Abneigung gegen bestimmte Geschmacksrichtungen, Verdauung, Stuhlgang, Wasserlassen, die Funktionstüchtigkeit der Sinnesorgane, der Schlaf, die Träume, usw.
Die Betrachtung des Patienten ermittelt die Veränderungen, die der Arzt mit dem Auge erkennen kann. Am wichtigsten ist die Zungendiagnose als subtiler Spiegel des energetischen Zustandes. Dabei wird der Zungenkörper nach Farbe, Form, Beweglichkeit und Stärke und der Zungenbelag nach Färbung, Ausdehnung, Feuchtigkeit, Klebrigkeit und Haftfestigkeit beurteilt. Es werden aber auch eine Vielzahl weiterer Merkmale am Körper, sowie die Gesamterscheinung und die Bewegungsart registriert.
Die Beurteilung von Klang und Geruch dient der diagnostische Bewertung von Stimme und Sprache. Der Arzt beurteilt den Klang von Husten und Atmung, die Geräusche von Schluckauf und Rülpsen, Würgen und Erbrechen. Die Geruchsdiagnose erstreckt sich auf den Geruch von Schweiß, Mundgeruch und den Geruch der Ausscheidungen.
Die Ertastung der Pulse: Der chinesische Arzt unterscheidet viele verschiedene Pulsqualitäten, z.B. einen oberflächlichen oder einen tiefen Puls, einen erschöpften, einen rauhen, der sich anfühlt als ob man mit einem Messer über Bambus schabt, oder einen saitenförmigen, scharf gespannt wie eine Lautensaite. Zusätzlich unterscheidet der chinesische Arzt verschiedene Lagen der Pulse am Handgelenk, welche verschiedene Pulsbilder liefern und einem bestimmten Funktionskreis zugeordnet werden. Derart gewinnt man durch Tastung der Pulsqualitäten Rückschlüsse für energetische Veränderungen im Körper.
Die so gesammelten Daten werden werden als Bausteine eines Entsprechungssystems geordnet und weisen auf entsprechende Bereiche in diesem Gebäude, die wir Funktionskreise nennen. Die einzelnen Beobachtungen sind Mosaiksteine in einem Bild, welches ein Disharmoniemuster offenbart. Symptome, krankhafte Veränderungen weisen in spezifischer Weise auf Schwachstellen, Schädigungen, Entgleisungen in diesem Funktionsgefüge hin. Die chinesische Diagnose verschafft uns darüber Klarheit, welche funktionellen Störungen, welche energetischen Entgleisungen vorliegen.
Funktionskreise
Eine Ansammlung von menschlichen Funktionsäußerungen, klinischen Symptomen und äußeren Beobachtungsdaten welche auf Grund ihrer Entsprechung einer bestimmten Wandlungsphasen- Qualifikation zugeordnet wird, nennt man einen Funktionsbereich (lat: orbis ; chin: zang). Die medizinische Wissenschaft, die alle diese Erscheinungen miteinander und mit den makrokosmischen Vorgängen in Beziehung setzt: mit dem Wetter, der Jahreszeit oder dem Stand von Sonne und Mond, heisst zangxiang, die Lehre von den Erscheinungen der Funktionskreise, oder Orbisikonographie. In einem Orbisikonogramm werden alle zusammengehörigen, komplexen Vorgänge zusammengefaßt, welche zu einem Funktionskreis gehören. Die Benennung nach einem vermeintlichen Organ hat nur bildhafte Bedeutung.
Funktionskreis Lunge
Unendlich viele energetische Prozesse, Qi-Einflüsse, wirken auf jedes Individuum ein: soziale, emotionale, der energetische Träger Sauerstoff, meteorologische Einflüsse, Nahrungseinflüsse, Krankheitserreger und Schadstoffe. Alle diese Qi-Einflüsse treffen auf die Oberfläche, das "Äußere" des Menschen. Diese erste Kontaktinstanz gestattet den Austausch mit der Umwelt, läßt entweder die Qi-Einflüsse eintreten oder wehrt sie schützend ab. Sie entspricht der Wandlungsphase Metall, da mit diesem kleinen Yin Festigkeit geschaffen, Schutz erreicht wird. Diese Instanz nimmt das Qi auf und teilt es dem Individuum in rhythmischer Weise durch ein Fließsystem mit, verleiht ihm durch diese Rhythmik Stabilität und Abwehrfähigkeit. Ort dieses Austausches ist der obere Körperabschnitt und wird als Funktionskreis Lunge bezeichnet. Hier wird das für ein Individuum spezifische Qi synthetisiert. Aus dem tian qi, den "himmlischen" Einflüssen (der "Himmel" steht für die Gesamtheit der Natur) und dem gu qi, den Nahrungseinflüssen, vollzieht sich die Synthese durch die Rhythmisierung des Atems. Das Qi, die aktive Energie entsteht im Funktionskreis Lunge. Er ist vergleichbar einem Minister, von dem die Ordnung des Rhythmus ausgeht.
Funktionskreis Milz
Die aufgenommenen energetischen Qi-Einflüsse werden der zentralen Instanz, der Wandlungsphase Erde zugeführt, wo eine "Trennung des Klaren vom Trüben" stattfindet, also geschieden wird, was dem Menschen dienlich ist, das assimiliert und integriert wird, von dem, was ihm schadet, das ausgeschieden wird. Der Funktionskreis Milz ist vergleichbar einem Zensor. In diesem Bereich wird die aus den aufgenommen Einflüssen erworbene Konstitution gespeichert. Der Funktionskreis Milz entspricht der Mitte, der Wandlungsphase Erde, er ist die Instanz der Zwischenspeicherung, der Assimilation, der Integration aller auf ein Individuum von außen einwirkenden Kräfte.
Funktionskreis Herz
Ein Ausleben der vorhandenen Ressourcen ist Ausdruck des Lebens schlechthin. Aktive Lebensäußerungen, sowohl motorische, aber auch geistige, emotionale oder intellektuelle bedürfen für ihre Äußerung einer Bündelung, einer Ordnung, einer Koordination und Kohäsion. Erst eine geordnete Form der lebendigen Äußerung kennzeichnet die Unverwechselbarkeit eines Individuums. Diese aktive Instanz, die nach außen ausleben läßt, entspricht der Wandlungsphase Feuer und wird als Funktionskreis Herz, als der fürstliche Orbis bezeichnet. Von ihm gehen die klaren Richtlinien, jede Art von Koordination aus. Der Zusammenhalt, die innere Konsequenz, der Eindruck einer geschlossenen, einer geistig intakten Person, der Eindruck von Folgerichtigkeit des Denkens, von geistiger, individueller Präsenz im allgemeinen und das Bild kohärenter Funktionen, der Koordination und Stimmigkeit aller Lebensfunktionen und Vorgänge sind Zeichen für die Kraft des Funktionskreises Herz. Diese aktive Instanz, die nach außen ausleben läßt, entspricht der Wandlungsphase Feuer, dem großen Yang oder der Aktivität in ihrer höchsten Aktualität.
Funktionskreis Niere
Die aktive Projektion einer Persönlichkeit basiert auf einem Potential, das im Funktionskreis Niere und im Funktionskreis Leber bereitgehalten wird. DerFunktionskreis Niere ist die Instanz der Potenzierung von Kraft . Nach der Wandlungsphasenqualifikation aktuelle Struktivität, Wandlungsphase Wasser, das große Yin, ist der Funktionskreis Niere die vollzogene und wirkliche Speicherung, Fixierung, Materialisierung - damit die Anhäufung in der Vergangenheit, Potenzierung aber auch im Hinblick auf künftige Wirkung. Der Funktionskreis Niere gilt als Sitz der angeborenen Konstitution: alles was wir als Erbgut, als Anlage, als in der gesamten Materialität des Körpers bereitgehaltene Wirkmöglichkeit verstehen. Er entspricht Stofflichkeit, Materialität, Körperlichkeit als Ansammlung von Erfahrungen und Erkenntnissen 1. die ein Individuum im Laufe des Lebens in Veränderung seiner Substanz umgesetzt hat und in noch viel höherem Masse 2. als Ergebnis der Erfahrungen und Erkenntnisse der gesamten Ahnenreihe.
Funktionskreis Leber
Zwischen dem körperlichen, materiellen Widerlager aller Wirkungen eines Individuums und seiner unmittelbaren und umfassenden aktuellen Manifestation vermittelt der Funktionskreis Leber. Das kleine Yang, die Wandlungsphase Holz sorgt dafür, daß Potenzen und Begabungen, welche im Funktionskreis Niere ruhen, nach außen projiziert, mobilisiert werden können. Mit Entschlußkraft, Initiative und Phantasie führt dieser Bereich das Potential aus den Sammelbereichen der Vergangenheit an die Projektionsebene des Funktionskreises Herz. Der Funktionskreis Leber entspricht in der Wandlungsphasenqualifikation Aktivität in ihrer höchsten Potentialität, er ist vergleichbar einem Feldherrn, von dem die Entschlüsse, die Initiativen ausgehen . Das im Funktionskreis Leber bereitgestellte Potential ist gewissermaßen die Vorstufe der sich als Funktionskreis Herz in Taten manifestierenden Projektion. Der Funktionskreis Leber entspricht also der Quelle von Phantasie und Entschlußkraft, aber auch dem Ursprung von Krafteinsatz, der Fähigkeit zum In-Bewegung-Setzen, der Fähigkeit, der Potenz zu Projektion und Identifikation.
Yin und Yang
Die Chinesen betrachten den menschlichen Körper als einen Mikrokosmos, in dem sich die großen kosmischen Zusammenhänge widerspiegeln. Sie glauben, daß dieselben Kräfte, die das Universum beherrschen, auch die Natur beseelen, auch den Menschen selber bestimmen. Die chinesische Philosophie versteht den Menschen als Teil des Kosmos, eingebettet in die universale Rhythmik, aufgespannt zwischen Himmel und Erde, zwischen den Polen Yang und Yin.
Überall findet sich das Prinzip der Polarität: alles im Universum ist polar: hier die Erde - dort der Himmel; hier das Unten - dort das Oben; die Erde als Endlichkeit - die Atmosphäre und das Darüber als Unendlichkeit; Erde als Sichtbares - der Himmel, die Luft als Unsichtbares; die Sonne und Wärme oben - die Erde und Kälte unten. Polarität erlaubt Bewegung und Wandlung: die Erde bewegt sich und verändert rhythmisch ihren Stand zur Sonne. So wandelt sich langsam der Tag, die Helligkeit geht über die Dämmerung in die Nacht über. Der Frühling wird zum Sommer, der Herbst zum Winter. Das Wasser fällt als Regen zur Erde, sammelt sich in Rinnsalen, Bächen und Flüssen zu Meeren und steigt verdunstend zum Himmel, um als Regen seinen Kreislauf zu vollenden.
Wesentliche Grundlage des daoistischen Denkens ist die Vorstellung des ewigen Fließens, der Veränderbarkeit allen Seins. Das Entsprechungssystem von Yin und Yang besagt, daß alle Naturerscheinungen und Lebensabläufe in polarer Wechselbeziehung zueinander stehen. Die polaren Grundqualitäten von Wirkungen sind keine absoluten Größen, sondern komplementär und einem ständigen Wandel unterworfen. Der ideale Zustand der Natur, daher auch der Gesundheit, ist dann gegeben, wenn sich die beiden in einem harmonischen Gleichgewicht befinden. Yang bezeichnet etymologisch die besonnte Seite eines Berges, also die Bestrahlung, während Yin dem schattigen Hang, dem, was nach der Bestrahlung vorhanden ist, entspricht. Yang ist das Aktive, das Induzierende, Bewegende, Dynamisierende, sich Entfaltende; das, was Bestehendes verwandelt. Yin , das Struktive, d.h. Konkretisierende, Materialisierende, Somatisierende, wird im chinesischen Denken verstanden als Vollendendes, Ruhendes, Festes.
Das wichtigste Merkmal des daoistischen Denkens - seine Essenz - ist das Gewahrsein der Einheit des Universums und die gegenseitige Beziehung aller Dinge und Ereignisse. Der Kardinalpunkt dieser Weltanschauung ist die Erfahrung, daß alle Phänomene in der Welt Manifestationen einer einzigen fundamentalen Identität sind. Alle Dinge werden als voneinander abhängige und untrennbare Teile des kosmischen Ganzen gesehen, als verschiedene Manifestationen der gleichen letzten Wirklichkeit. Die letzte Realität, die den von uns beobachteten Dingen und Ereignissen zugrunde liegt, ist das Dao, der Weg oder der Prozeß des Universums, die Ordnung der Natur. Das Dao ist der kosmische Prozeß, an dem alle Dinge beteiligt sind. Indem der Weise dies erkennt und sein Handeln danach richtet, wird er «eins mit dem Dao» und lebt in Harmonie mit der Natur. Im normalen Leben sehen wir diese Einheit aller Dinge nicht, sondern teilen die Welt in getrennte Objekte und Ereignisse. Diese Unterteilung ist nützlich und notwendig, um mit unserer alltäglichen Umgebung umgehen zu können, aber sie ist keine Grundeigenschaft der Wirklichkeit. Sie ist eine Illusion unseres unterscheidenden und kategorisierenden Intellekts. Das höchste Ziel des Daoisten ist, der Einheit und gegenseitigen Beziehung aller Dinge gewahr zu werden, den Begriff des isolierten individuellen Ich zu überwinden und sich mit der «letzten Realität» zu identifizieren. Dieses Gewahrwerden ist nicht nur ein intellektueller Vorgang. Zhuangzi sagt: «Wenn es möglich wäre, darüber zu sprechen, hätte es jeder seinem Bruder erzählt.» Die Erkenntnis der letzten Wirklichkeit ist eine tiefe mystische Erfahrung, die den ganzen Menschen erfaßt und letztlich religiöser Natur ist.
Yijing
Das Yijing (I Ging) ist eine deutende Methode zur Wahrsagung in Form der Bestimmung einer Zeitqualität. Die Bezeichnung Schafgarbenorakel charakterisiert eine Methode, bei der eine bestimmte Anzahl von Schafgarbenstengeln nach festgelegten Regeln ausgezählt wird, und daraus ein Hexagramm von sechs geteilt Yin- oder ungeteilten Yang-Linien gebildet wird. Die im Buch der Wandlungen dargestellten 64 Hexagramme repräsentieren die Strukturen des Dao in der Natur und in menschlichen Situationen, sie enthalten die Muster und die Dynamik des Universums. Jedes Hexagramm enthält:
ein Hexagramm aus zwei Trigrammen, das Schriftzeichen
das Urteil: Handlungsverlauf, der seiner kosmischen Struktur entspricht
das Bild: Bedeutung des Hexagramms
Text, der die einzelnen Linien deutet
Kommentare: Erläuterungen zum Hexagrammnamen, zum Hexagrammtext,
zur Symbolik der beiden Trigramme und philosophisch-ethische
Auslegungen der Hexagramme
Nach der Auszählung eines der 64 möglichen Hexagramme zur Orakelbefragung beginnt die Interpretation des Hexagramms. Jedes Hexagramm repräsentiert symbolisch 64 mögliche Situation oder Zustände im Weltgeschehen; aber auch die Symbolik und die Plazierung der Trigramme, aus denen sie zusammengesetzt sind, sowie die Qualität und Positionierung der einzelnen Linien charakterisieren bestimmte Aspekte der individuellen Lage. Durch Veränderung der einzelnen Linien ergeben sich neue Hexagramme, so daß eine große Vielfalt von Zustandsbildern erscheint. In der zweiten Phase der Interpretation wird der den Hexagrammen zugehörige Text zu Rate gezogen.
Mit dem Yijing kann eine Beziehung zwischen Himmel und Erde hergestellt werden. Alles, was auf der Erdenwelt stattfindet, ist eine Entfaltung von Mustern, die in der höheren Welt, welche für die normalen Sinne des Menschen unerreichbar ist, vorhanden sind. Diese Symmetriemuster haben ihren tieferen Grund in einem zeitlosen Zustand und entfalten sich innerhalb der Zeit und innerhalb der Realität unserer Wahrnehmung. Der Augenblick der Weissagung und das dadurch erhaltene Hexagramm sind ein Abbild des Keimes, aus dem die Zukunft entsteht.
Der Zweck der Befragung des Yijing besteht im Aufdecken der Disposition der gegenwärtigen Lage. Ziel des Wissens um die gegenwärtige Disposition ist in Harmonie mit der Natur zu handeln. Dazu paßt der Weise seine Handlungen den Bewegungen des Dao an. "Die der natürlichen Ordnung folgen, fließen im Strom des Dao". Diese Handlungsweise heißt in der daoistischen Philosophie Wu-Wei, ein Ausdruck, der wörtlich "Nicht-Handlung" bedeutet: "Enthaltung von gegen die Natur gerichteten Handlungen". Dies bedeutet nicht "nichts tun und schweigen". Alles soll tun dürfen, was es von Natur aus tut, so daß seine Natur zufriedengestellt wird. "Wer mit dem Lauf des Dao übereinstimmt und den natürlichen Vorgängen des Himmels und der Erde folgt, findet es leicht, die Welt zu lenken".
TCM Links
- SAGA Schweizerische Ärztegesellschaft für Chinesische Medizin
- ASA Schweizerische Akupunkturgesellschaften
- Acupuncture.com
- The Journal of Chinese Medicine
- The American Journal of Chinese Medicine
- Foundation for TCM
- The British Medical Acupuncture Society
- Giovanni Maciocia
- Complementary and Alternative Medicine
- The Medical Acupuncture Web Page
- Institute for Traditional Medicine
- Acupuncture Progress Database
- School of Botanical Medicine
- History of Traditional Chinese Medicine
- Traditional Chinese Medicine
- Barefoot Doctors
- Einführung in die Akupunktur (D. Krämer)
- Taoism Information Page
- Philosophy & Religion
- PhytoNet
- European University of Chin Med
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- Planetherb
- Arbeitskreis für Traditionelle Chinesische Medizin
- Die Ohrakupunktur - Einführung und Praxis
- Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur
- Österreichische Gesellschaft für Traditionelle Chinesische Medizin